Frankreich „verbietet Brustimplantate“

Wie u.a. NTV medienwirksam berichtete, verbietet Frankreich mit sofortiger Wirkung Brustimplantate mit einer rauen, bzw. texturierten Oberfläche, welche im Gegensatz zu glatten Implantaten einen besseren Schutz vor Kapselfibrose bieten und bei etwa 30% der Französinnen (m, w, d) mit Brustimplantaten eingesetzt worden sind.

Das anaplastische großzellige Lymphom (ALCL)

Grund hierfür ist das vermehrte Auftreten einer bestimmten Krebsart, bei der es sich nicht um Brustkrebs handelt, sondern um ein sogenanntes Lymphom mit der Bezeichnung BIA-ALCL.

NTV schreibt von einer „aggressiven Krebsart“ und schürt mit diesem wenig differenzierten Artikel natürlich erstmal Angst bei allein Trägerinnen texturierter Implantate. Auch ich musste zunächst schlucken, beschloss dann aber, weiter zu lesen und später zu entscheiden, ob ich in Panik geraten möchte oder ob das vielleicht gar nicht angebracht ist.

Krebs durch Brustimplantate?

Eine gute Quelle, wenn man sich über Krebs informierten möchte, ist die Website des Krebsinformationsdienstes, weil es dort sachlich und Zahlen-basiert zugeht:

  • Das Lymphom tritt auch bei Trägerinnen von rauen  Brust-Implantaten sehr sehr selten auf, die Inzidenz beträgt ca. 0,01%
  • Die Zahlen sind nicht unantastbar, da in vielen in den Statistiken verzeichneten Krankheit-Fällen die Implantat-Beschaffenheit nicht vermerkt ist (in Deutschland gibt es daher seit Mai 2018 einen Meldebogen vom BfArM, um Eindeutigkeit zu schaffen)
  • Die Erkenntnisse sind nicht neu, schon 2011 informierte das BfArM*) über einen möglichen Zusammenhang zwischen texturierten Implantaten und dem Auftreten des BIA-ALCL Lymphoms
  • Der Verlauf ist vorwiegend gutartig und gut behandelbar mit einer positiven Prognose (und nicht aggressiv, wie NTV schreibt), meist genügt die Entfernung des Implantates und des Tumors als Behandlung
  • Die Erkrankung tritt im Mittel 8-10 Jahre nach Einsetzen der Implantate auf
  • Eine präventive Explantation wird nicht empfohlen (übrigens auch nicht von der französischen Regierung)
  • Lt. einer epidemiologischen Studie aus Australien und Neuseeland besteht ein Zusammenhang zwischen dem Grad der Texturierung und der Krebs-Wahrscheinlichkeit; je rauer das Implantat, umso größer das Risiko
  • Deutschland verbietet Implantate mit einer rauen Oberfläche nicht

Nachdem ich diese Informationen aufgenommen hatte, konnte ich mich auch wieder entspannen. In erster Linie handelte es sich hauptsächlich mal wieder um Panikmache, was bei einem sowohl emotionalen, wie auch kontroversen Thema wie Schönheits-OPs natürlich sehr effektiv ist.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich das Thema natürlich im Hinterkopf  behalten und die Vorsorge-Termine einhalten werde, mich ansonsten aber nicht weiter damit belasten möchte. Die Wahrscheinlichkeit, dass  ich später an Haut- oder Darmkrebs erkranke, ist schließlich statistisch und im Hinblick auf meinen Hauttyp und meinen Ernährung-Status um einiges höher und da lebe ich auch nicht in täglicher Angst vor.

)* Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Quelle: www.krebsinformationsdienst.de/fachkreise/nachrichten/2018/fk15-brustimplantate-krebsrisiko-seltenes-Lymphom.php
© 2019 Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum
0800–420 30 40 oder krebsinformationsdienst@dkfz.de

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